§ Tierrecht §

 

Der Grundgedanke der Tierrechte

von Dr. Tom Regan

Die Position der Tierrechte

Diese anderen Tiere, die von den Menschen gegessen, für die Wissenschaft verwendet, gejagt, in

Fallen gefangen und auf vielerlei anderer Weise ausgebeutet werden, alle diese Tiere haben ihr

eigenes Leben, das für sie, ganz unabhängig von ihrem Nutzen für uns, von Bedeutung ist. Sie sind

nicht nur auf der Welt, sie sind sich der Welt bewusst. Was mit ihnen geschieht, ist wichtig für sie.

Jedes von ihnen lebt und hat es mit diesem seinem Leben gut oder weniger gut getroffen.

Dieses Leben umfasst eine Vielzahl biologischer, individueller und sozialer Bedürfnisse. Die

Befriedigung dieser Bedürfnisse stellt eine Quelle der Freude dar, ihre Einengung oder Missachtung

dagegen erzeugt Schmerz. Im Hinblick auf diese grundsätzlichen Fakten sind die nichtmenschlichen

Tiere, beispielsweise diejenigen in den Labors und auf den Farmen, den Menschen gleich. Daher

müssen der Ethik unseres Umgangs mit ihnen dieselben grundlegenden moralischen Prinzipien

zugrunde gelegt werden wie die der Menschen untereinander.

Das Fundament auf dem die menschliche Ethik ruht, ist der eigenständige Wert des Individuums:

der moralische Wert eines Menschen darf nicht davon bestimmt werden, wie hilfreich er der

Förderung der Interessen anderer Menschen ist. Menschen auf eine Weise zu behandeln, die diesen

ihren eigenständigen Wert nicht achtet, heißt, das grundsätzlichste aller Menschenrechte zu

verletzen: das Recht eines jedes Menschen mit Achtung behandelt zu werden.

Die Philosophie der Tierrechte verlangt nichts anderes als die Anerkennung dieser Logik. Denn

jedes Argument, das in plausibler Weise den eigenständigen Wert des Menschen erklärt, bedeudet

gleichzeitig, dass andere Tiere denselben Wert besitzen, und zwar im selben Maße wie die

Menschen. Ebenso bedeudet jedes Argument, das in plausibler Weise das Recht des Menschen

erklärt, mit Achtung behandelt zu werden, dass die anderen Tiere dasselbe Recht besitzen, auch

dieses im selben Maße wie die Menschen.

Es ist daher auch eine Tatsache, dass die Frauen nicht dazu existieren, den Männern zu dienen, die

Schwarze nicht dazu den Weißen, die Armen nicht dazu den Reichen, und die Schwachen nicht

dazu, den Starken zu dienen. Die Philosophie der Tierrechte erkennt diese Tatsachen nicht nur an,

sie besteht auf ihnen und rechtfertigt sie. Doch diese Philosophie geht noch weiter. Indem sie auf

den eingenständigen Wert der anderen Tiere und auf deren Rechten besteht und diese rechtfertigt,

gibt sie wissenschaftlich untermauerte und moralisch objektive Gründe für die Ablehnung der

Meinung, dass diese Tiere dazu existieren, uns zu dienen.

Sobald diese Wahrheit erstmal anerkannt ist, ist es leicht zu verstehen, welhalb die Philosophie der

Tierrechte so kompromisslos ist in ihrem Auftreten gegen jede Art von Ungerechtigkeit gegenüber

anderen Tieren.

Was die Gerechtigkeit beispielsweise für Tiere verlangt, die in der Wissenschaft benutzt werden,

sind nicht grössere und sauberere Käfige, sondern leere Käfige; die Gerechtigkeit verlangt nicht eine

„traditionelle" landwirtschafltiche Tierhaltung, sondern das Ende geglichen Handelns mit dem

Fleisch toter Tiere; sie verlangt nicht „menschlichere" Methoden des Jagens und Fallenstellens,

sondern die vollständige Ausmerzung dieser barbarischen Praktiken.

Denn einer absoluten Ungerechtigkeit muss man nicht ablsolut entgegenstellen. Was die

Gerechtigkeit verlangte, was nicht „reformierte" Sklaverei, „reformierte" Kinderarbeit,

„reformierte" Unterwerfung der Frau. In all diesen Fällen war die einzig moralische Antwort die

Abschaffung. Die blose Reformierung einer absoluten Ungerechtigkeit bedeutet die Verlängerung

der Ungerechtigkeit.

Die Philosophie der Tierrechte fordert dieselbe Verantwortung - Abschaffung – als Reaktion auch

auf die ungerechte Ausbeutung anderer Tiere. Nicht Details dieser ungerechten Ausbeutung sind es,

die verändert werden müssen. Es ist die ungerechte Ausbeutung selbst, die beendet werden muss,

sei es auf den Farmen, in den Labors oder bei den Wildtieren, um nur Beispiele zu nennen. Die

Philosophie der Tierrechte verlangt nur dies, sie wird jedoch auch mit nichts Geringerem zufrieden

sein.

10 Gründe für Tierrechte und deren Erläuterung

1 Die Philosophie der Tierrechte ist rational.

Erläuterung: Es ist nicht rational, willkürlich zu diskriminieren. Und eine Diskriminierung der

nichtmenschlichen Tiere ist wilkürlich. Es ist nicht richtig, schwächere Menschen, besonders

solche, denen nicht die normale menschliche Intelligenz gegeben ist, als „Werkzeuge" oder

„ersetzbare Ressourcen" oder „Modelle" oder „Waren zu behandeln, als wären sie „Werkzeuge",

„Modelle" u.ä., wenn ihre Psyche doch ebenso reich ist wie die der Menschen (oder gar reicher).

Anders darüber zu denken wäre irrational.

„Ein Tier als ein physisch-chemisches System von enormer Komplexität zu beschreiben, ist ohne

Zweifel vollkommen korrekt, nur dass dabei das „typisch tierische" des Tieres vergessen wird."

E.F. Schumacher

2 Die Philosophie der Tierrechte ist wissenschaftlich.

Erläuterung: Die Philosophie der Tierrechte respektiert allgemein das Beste, was unsere

Wissenschaft zu bieten hat und besonders die Evolutionsbiologie. Die letztere lehrt, dass, um mit

Darwin zu sprechen, der Unterschied zwischen den Menschen und vielen anderen Tieren nur ein

Unterschied „des Grades und nicht der Sache" ist. Lassen wir das Ziehen von Grenzen einmal

beiseite, so wird es offensichtlich, dass die Tiere, die beispielsweise in Labors benutzt, zu

Nahrungszwecken aufgezogen, zum Vergnügen gejagt oder für den Profit in Fallen gefangen

werden, in phsychischer Hinsicht unsere Verwandten sind. Das ist keine Phantasie, es ist eine

Tatsache, bewiesen von unseren besten Wissenschafltlern.

„Was ihre mentalen Fähigkeiten angeht, so besteht zwischen den Menschen und den höher

entwickelten Säugetieren kein Fundamentaler Unterschied"

Charles Darwin

3 Die Philosophie der Tierrechte ist frei von Vorurteilen.

Erläuterung: Rassisten sind Menschen, die glauben, dass die Mitglieder ihrer Rasse denen anderer

Rassen überlegen sind, einfach weil die Ersteren zu ihrer eigenen (der „höherwertigen") Rasse

gehören. Sexisten glauben, dass die mitglieder ihres Geschlechts denen des anderen Geschlechts

überlegen sind, einfach weil die Ersteren zu ihrem eigenen (dem „höherwertigen") Geschlecht

gehören. Sowohl der Rassismus als auch der Sexismus stellen Beispiele einer Selbstgerechtigkeit

dar, die nicht unterstützt werden darf. Es gibt weder Geschlechter noch Rassen, die „höherwertiger"

oder „minderwertiger" sind. Die Unterschiede zwischen den Rassen und Geschlechtern sind

biologischer und nicht moralischer Art.

Dasselbe gilt für den Speziesismus – der Meinung, dass die Mitglieder der Spezies Homo Sapiens

denen aller Übrigen Spezies überlegen sind, einfach weil die Menschen ihrer eigenen (der

„höherwertigeren") Spezies angehören. Denn es gibt keine „höherwertigere" Spezies. Anders

darüber zu denken hieße, ebensolche Vorurteile zu haben, wie die Rassisten oder Sexisten sie

haben.

„Wenn man das Töten zum Zwecke des Fleischessens rechtfertigen kann, dann kann man auch die

Bedingungen in einem Ghetto rechtfertigen. Ich kann beides nicht rechtfertigen."

Dick Gregory"

4 Die Philosophie der Tierrechte ist gerecht.

Erläuterung: Die Gerechtigkeit stellt den höchsten Grundsatz der Ethik dar. Wir dürfen nicht, um

etwas Gutes zu erreichen, Ungerechtigkeiten ausüben oder zulassen; wir dürfen nicht, um Vielen zu

nützen die Rechte Weniger verletzen. Die Sklaverei hat dies zugelassen. Die Kinderarbeit hat es

zugelassen. Die meisten Arten der sozialen Ungerechtigkeit lassen es zu. Nicht so die Philosophie

der Tierrechte, deren höchster Grundsatz die Gerechtigkeit ist: niemand hat das Recht, Nutzen zu

ziehen aus der Verletzung der Rechte anderer, seien diese „anderen" nun Menschen oder andere

Tiere.

„Die Gründe für das rechtliche Vorgehen im Sinne der Kinder gelten nicht weniger im Falle dieser

unglücklichen Sklaven – der (anderen) Tiere."

John Stuart Mill

5 Die Philosophie der Tierrechte ist eine Philosophie des Mitgefühls.

Erläuterung: Ein erfülltes menschliches Leben verlangt Einfühlungsvermögen und Mitleid – in

einem Wort, Mitgefühl – gegenüber den Opfern von Ungerechtigkeit, seien diese Opfer nun

Menschen oder andere Tiere. Die Philosophie der Tierrechte fordert die Tugend des Mitgefühls, und

die Anerkennung dieser Philosophie fördert diese Tugend. Diese Art der Philosophie ist in den

Worten Lincolns „das, was einen vollkommenen Menschen ausmacht".

Gelebtes Mitgefühl ist vielleicht diese wundervolle Möglichkeit, unseren überfüllten, verschmutzten

Planeten zu schützen..."

Victoria Moran

6 Die Philosophie der Tierrechte ist uneigenützig.

Erläuterung: Die Philosophie der Tierrechte fordert ein Engagement im Dienste der Schwachen und

Verletzlichen – im Dienste derer, die, seine es nun Menschen oder andere Tiere, nicht die

Möglichkeit haben, für sich selbst sprechen oder sich selbst verteidigen zu können, und die des

schutzes vor der menschlichen Gier und Gefühllosigkeit bedürfen. Diese Philosophie fordert ein

solches Engagement, und sie tut dies nicht, weil es in unserem eigenen Interesse wäre, sondern weil

es richtig ist. Diese Art der Philosophie fordert daher eine uneigenützige Unterstützung, und die

Anerkennung dieser Philosophie fördert eine solche Art der Unterstützung.

„Wir brauchen eine moralische Philosophie, in der das Konzept der Liebe, welches heutzutage von

den Philosofen so selten erwähnt wird, wieder ein zentrales Thema darstellt."

Iris Murdoch

7 Die Philosophie der Tierrechte ist etwas, das den Einzelnen erfüllt.

Erläuterung: All die großen Traditionen der Ethik, sowohl der sekularen als auch der religiösen,

unterstreichen die Bedeutung der folgenden vier Dinge: Wissen, Gerechtigkeit, Mitgefühl und

Selbstbestimmung. Die Philosophie der Tierrechte macht dabei keine Ausnahme. Diese Philosophie

lehrt, das unsere Entscheidungen auf Wissen beruhen, dem Mitgefühl und der Gerechtigkeit

Ausdruck verleihen und freiwillig getroffen werden sollten. Es ist nicht leicht, diese Tugenden zu

erreichen und den menschlichen Hang hin zu Gier und Gleichgültigkeit zu steuern. Ein

vollkommenes menschliches Leben ist jedoch ohne sie nicht möglich. Die Philosophie der

Tierrechte fordert die Selbstverwirklichung für den Einzelnen, und die Anerkennung dieser

Philosophie fördert eine solche Selbstverwirklichung.

„Menschlichkeit ist kein totes, von aussen erteiltes Gebot, sondern ein lebendiger Impuls, der von

innen kommt; sie bedeutet nicht Selbstaufopferung, sondern Selbstverwirklichung."

Henry Salt

8 Die Philosophie der Tierrechte ist sozial fortschrittlich.

Erläuterung: Das Grösste Hindernis für das Florieren der menschlichen Gesellschaft stellt die

Ausbeutung anderer Tiere durch die Hand des Menschen dar. Dies gilt für die ungesunde

Ernährung, für das gewohnheitsmässige Vertrauen auf das „ganzheitliche Tiermodell" in der

Wissenschaft und für die vielen anderen Formen, die die Ausbeutung der Tiere annimmt. Und es

gilt ebenso für beispielsweise die Erziehung und die Werbung, die mit dazu beitragen, die

menschliche Psyche gegenüber den Forderungen der Vernunft, der Unvoreingenommenheit, des

Mitgehühls und der Gerechtigkeit abzustumpfen. Auf all diese (und weitere) Arten bleiben die

Nationen zutiefst rückständig, weil sie es versäumen, den wahren Interessen ihrer Bürger zu dienen.

„Die Grösse und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die

Tiere behandelt."

Mahamatma Ghandi

9 Die Philosophie der Tierrechte ist eine Philosophie im Sinne der Umwelt.

Erläuterung: Die Hauptursache für die Schädigung der Umwelt, einschliesslich beispielsweise des

Treibhauseffektes, der Wasserverschmutzung und des Verlustes an sowohl Ackerland als auch

Mutterboden, besteht in der Ausbeutung der Tiere. Dasselbe gilt für das gesamte breite Spektrum an

Umweltproblemen, vom sauren Regen und der Einleitung giftiger Abfälle in die Ozeane bis hin zur

Luftverschmutzung und der Zerstörung der natürlichen Lebensräume. Für all diese Fälle gilt, das ein

Handeln zum Schutz der betroffenen Tiere (die schliesslich die Ersten sind, die leiden und durch

diese Umweltprobleme ihr Leben verlieren) ein Handeln zum Schutz der Erde ist.

„Solange wir nicht ein Gefühl der Verwandtschaft zwischen unserer eigenen Spezies und jenen

anderen Sterblichen entwickeln, die mit uns die Schatten- und die Sonnenseiten des Lebens auf

diesem gequälten Planeten teilen, gibt es keine Hoffnung für andere Spezies, keine Hoffnung für die

Umwelt und keine Hoffnung für uns selbst."

Jon Wynne-Tyson

10 Die Philosophie der Tierrechte ist friedliebend.

Erläuterung: Die Grundlegende Forderung der Philosophie der Tierrechte ist die nach einer

Behandlung der Menschen und der anderen Tieren mit Achtung. Um dies umzusetzen, ist es

erforderlich, dass wir niemanden einfach nur deshalb schaden, um für uns selbst oder andere einen

Nutzen daraus ziehen. Diese Philosophie lehnt daher militärische Agressionen vollkommen ab. Es

ist eine Philosophie des Friedens. Doch es ist auch eine Philosophie, die die Forderung nach Frieden

über die Grenzen unserer eigenen Spezies hinausträgt. Denn täglich wird ein Krieg geführt, ein

Krieg gegen zahllose Millionen nicht-menschlicher Tiere. Aufrichtig für den Frieden einzustehen,

heisst, entschlossen den Speziesismus abzulehnen. Zu glauben, dass es „Frieden auf der Welt"

geben könnte, wenn wir es nicht schaffen, uns friedlich gegenüber den anderen Tieren zu verhalten,

ist bloses Wunschdenken.

„Sollte durch irgendein Wunder in all unseren Kämpfen der Erde der nukleare Holochaust erspart

bleiben, wird nur Gerechtigkeit gegenüber allen lebenden Wesen die Menschheit retten können."

Alice Walker

Zehn Gründe gegen Tierrechte und die Antworten darauf

1 Ihr setzt die Tiere den Menschen gleich, wo sie sich doch so sehr voneinander unterscheiden.

ANTWORT: Wir sagen nicht, dass Menschen und andere Tiere sich in jeder Hinsicht gleichen. So

sagen wir beispielsweise nicht, dass Hunde und Katzen Integralrechnung ausführen oder Schweine

und Kühe sich an Poesie erfreuen könnten.Was wir sagen, ist, dass viele andere Tiere, ebenso wie

die Menschen, mit einer Psyche ausgestattete Wesen sind, die aus ihren eigenen Erfahrungen lernen,

was gut für sie ist. Dies haben sie und wir gemeinsam. In dieser Hinsicht sind sie und wir daher,

trotz all unserer Unterschiede, gleich.

2 Ihr sagt, dass alle Menschen und alle anderen Tiere dieselben Rechte haben, was absurd

ist. Hühner können nicht das Recht haben zu wählen, und Schweine können kein Recht auf höhere

Bildung haben.

ANTWORT:Wir sagen nicht, dass die Menschen und die anderen Tiere immer dieselben Rechte

haben. Nicht einmal alle Menschen haben dieselben Rechte. So haben beispielsweise Menschen mit

schweren geistigen Schäden kein Recht auf höhere Bildung.Was wir sagen, ist, dass sowohl diese

als auch die anderen Menschen mit den anderen Tieren ein grundsätzliches moralisches Recht teilen

- nämlich das Recht, mit Achtung behandelt zu werden.

3 Wenn Tiere Rechte haben, so gilt dies auch für Gemüse, und das ist absurd.

ANTWORT: Viele Tiere sind wie wir: sie lernen aus ihren eigenen Erfahrungen, was gut für sie

ist. Ebenso wie wir haben diese Tiere daher das Recht, mit Achtung behandelt zu werden.

Andererseits haben wir keine Ursache, und ganz sicher keine wissenschaftlich belegte, zu glauben,

dass beispielsweise Mohrrüben und Tomaten über eine Ausstrahlung verfügen, die uns das

Vorhandensein einer Psyche vermuten ließe. Ebenso wie alle anderen Gemüsesorten weisen auch

Mohrrüben und Tomaten nichts auf, was mit einem Gehirn oder einem Zentralnervensystem

vergleichbar wäre. Da ihnen diese Merkmale fehlen, gibt es keinen Grund, Gemüse als mit einer

Psyche ausgestattete Wesen anzusehen, die in der Lage wären, beispielsweise Freude oder Schmerz

zu empfinden. Daher kann man vernünftigerweise Tieren Rechte zusprechen, während man sie dem

Gemüse abspricht.

4 Wo soll man die Grenze ziehen? Wenn Primaten und Nagetiere Rechte haben, dann gilt das auch

für Schnecken und Amöben, und das ist absurd.

ANTWORT: Es ist häufig nicht einfach zu entscheiden,wo genau man „die Grenze ziehen" soll. So

können wir zum Beispiel nicht genau sagen, wie alt jemand sein muss, um alt, oder wie groß

jemand sein muss, um groß zu sein. Dennoch können wir mit Gewissheit sagen, dass jemand, der 88

Jahre alt ist, ein alter Mensch, und dass jemand, der 2,16 m groß ist, ein großer Mensch ist.

Ebenso können wir nicht mit Exaktheit sagen, wo man die Grenze ziehen soll, wenn es um die Tiere

geht, die eine Psyche besitzen. Und dennoch können wir mit absoluter Sicherheit sagen, dass,

wenn diese Grenze auf der Basis wissenschaftlicher Gründe gezogen wird, sich Primaten und

Nagetiere auf der einen Seite dieser Grenze (der Seite der Psyche), die Schnecken und Amöben

hingegen auf der anderen Seite befinden, was jedoch nicht heißt, dass wir Letztere gedankenlos

töten dürfen.

5 Aber nun gibt es doch ganz sicher einige Tiere, die Schmerz empfinden können, die jedoch keine

psychische Identität besitzen, die auf einem zentralen Nervensystem beruht. Da diese Tiere nicht

das Recht haben, mit Achtung behandelt zu werden, lässt sich aus der Philosophie der Tierrechte

für diesen Fall ableiten, dass wir solche Tiere behandeln können, wie immer es uns gefällt.

ANTWORT: Es trifft zu, dass einige Tiere, zum Beispiel Garnelen und Muscheln, möglicherweise

Schmerz empfinden können, jedoch kaum eine der übrigen psychischen Fähigkeiten

aufweisen.Wenn dies so ist, dann stehen ihnen einige der Rechte, die andere Tiere besitzen, nicht

zu. Dennoch kann es keine moralische Rechtfertigung dafür geben, irgendeinem Wesen

unnötigerweise Schmerz zuzufügen. Und da es nun einmal nicht nötig ist, dass Menschen Garnelen,

Muscheln und ähnliche Tiere essen oder sie auf andere Weise nutzen, kann es auch keine

moralische Rechtfertigung dafür geben, ihnen den Schmerz zuzufügen, der mit einer solchen

Nutzung unweigerlich verbunden ist.

6 Die Tiere achten unsere Rechte nicht. Daher haben wir Menschen auch nicht die Pflicht, die

Rechte der Tiere zu achten.

ANTWORT: Es gibt viele Situationen, in denen ein Individuum, das Rechte besitzt, nicht in der

Lage ist, die Rechte anderer zu berücksichtigen. Dies gilt für Säuglinge, kleine Kinder sowie für

geisteskranke und geistesschwache Menschen. Im Falle dieser Menschen sagen wir nicht, dass es

richtig wäre, uns ihnen gegenüber respektlos zu verhalten, nur, weil sie unsere Rechte nicht achten.

Ganz im Gegenteil, wir erkennen sogar an, dass es unsere Pflicht ist, ihnen mit Achtung zu

begegnen, obwohl sie selbst nicht verpflichtet sind, uns ebenso zu behandeln. Was für solche Fälle

wie die der Säuglinge, der Kinder und der anderen erwähnten Menschen gilt, gilt nicht weniger für

die anderen Tiere. Es ist wahr, dass sie nicht die Pflicht haben, unsere Rechte zu respektieren. Dies

enthebt uns jedoch nicht der Pflicht, ihre Rechte zu achten, oder verringert diese Pflicht auch nur.

7 Gott hat den Menschen die Herrschaft über die anderen Tiere gegeben. Daher können wir ihnen

alles antun, was uns gefällt, und wir können sie daher auch essen.

ANTWORT: Nicht in allen R e l i g i o n e n werden die Menschen so dargestellt, dass sie die

„Herrschaft" über die anderen Tiere haben, und selbst bei den Religionen, bei denen dies der Fall

ist, sollte „Herrschaft" als selbstloser Schutz und nicht als selbstsüchtige Macht verstanden

werden. Die Menschen müssen gegenüber sämtlichen Geschöpfen ebenso liebevoll sein, wie Gott es

war, als er sie schuf. Würden wir die Tiere heute so lieben, wie es die Menschen im Garten Eden

getan haben, dann würden wir sie nicht essen. Diejenigen, die die Rechte der Tiere achten, sind auf

der Reise zurück zum Garten Eden – einer Reise zurück zu einer wahren Liebe für Gottes

Schöpfung.

8 Nur die Menschen haben eine unsterbliche Seele. Das gibt uns das Recht, die anderen Tiere so zu

behandeln, wie es uns gefällt.

ANTWORT: Viele Religionen lehren, dass alle Tiere, und nicht nur die Menschen, eine

unsterbliche Seele haben. Doch selbst, wenn nur die Menschen unsterblich wären, so wäre dies nur

ein Beweis dafür, dass wir für immer leben, während die anderen Tiere dies nicht tun. Und diese

Tatsache (sofern es eine solche ist) würde es mehr und nicht etwa weniger zu unserer Pflicht

machen sicherzustellen, dass dieses Leben – das einzige, das die anderen Tiere besitzen – so lang

und so gut wie nur irgend möglich ist.

9 Wenn wir die Rechte der Tiere achten und sie nicht essen oder auf andere Weise ausbeuten,

was sollen wir dann mit all diesen Tieren tun? Sie würden dann sehr bald durch unsere

Straßen laufen und in unsere Häuser kommen.

ANTWORT: Allein in den Vereinigten Staaten werden jedes Jahr etwa zehn Milliarden Tiere zu

Nahrungszwecken aufgezogen und geschlachtet. Der Grund für diese überraschend hohe Zahl ist ein

ganz einfacher: es sind Konsumenten da, die sehr hohe Mengen an Tierfleisch essen. Das Angebot

an Tieren entspricht der Nachfrage durch die Käufer. Für den Fall jedoch, dass die Philosophie der

Tierrechte siegt – und die Menschen vegetarisch leben –, müssen wir keineswegs fürchten, dass

Milliarden von Kühen mitten in unseren Städten oder in unseren Wohnzimmern grasen oder

ebenso viele Schweine dort ihre Mahlzeit abhalten. Sobald der finanzielle Anreiz für die Aufzucht

von Milliarden dieser Tiere schwindet, werden diese Milliarden von Tieren einfach nicht mehr da

sein. Dasselbe gilt für die anderen Fälle, zum Beispiel für die Tiere, die für die Forschung gezüchtet

werden. Wenn die Philosophie der Tierrechte sich durchsetzt – und diese Art der Nutzung der Tiere

ein Ende findet –, wird auch kein finanzieller Anreiz für das Züchten von Millionen dieser Tiere

mehr gegeben sein.

10 Selbst, wenn die anderen Tiere moralische Rechte besitzen und geschützt werden sollten, so gibt

es doch wichtigere Dinge, die unsere Aufmerksamkeit verlangen, zum Beispiel der Hunger auf der

Welt, der Kindesmissbrauch, die Apartheid, Drogen, Gewalt gegen Frauen und das Leid der

Obdachlosen. Zuerst müssen wir uns um diese Probleme kümmern, danach können wir an die

Rechte der Tiere denken.

ANTWORT: Die Tierrechtsbewegung ist Teil der Menschenrechtsbewegung und nicht von dieser

isoliert. Dieselbe Philosophie, die auf den Rechten der nicht-menschlichen Tiere beharrt und diese

verteidigt, beharrt auch auf den Rechten der Menschen und verteidigt diese. In der Praxis besteht

sogar die Entscheidung, die gedankenvolle Menschen zu treffen haben, nicht in der Frage, ob sie

den Menschen oder den anderen Tieren helfen sollen. Man kann beides tun. Wir müssen

beispielsweise ebenso wenig Tiere essen, um den Obdachlosen zu helfen, wie wir, um Kindern zu

helfen, Kosmetik benutzen müssen, die an Tieren getestet wurde. Es ist sogar so, dass Menschen,

die die Rechte der nicht-menschlichen Tiere achten, indem sie sie nicht essen, gesünder sind, was

sie wiederum in die Lage versetzt, den Menschen besser helfen zu können.

Der "Grundgedanke der Tierrechte" von Dr. Tom Regan

wurde von den Tierversuchsgegnern Berlin und Brandenburg e.V. aus dem Englischen übersetzt

und kann als Broschüre gebunden zum Selbstkostenpreis von 1.50 € zzgl. Porto bestellt werden

unter jenner@tierrechte.de oder Tel und Fax 030 815 81 99.

 

Krankheiten von Tieren
http://www.animal-health-online.de/drms/bilder.htm    

Schäferhundtötung
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http://www.informativos.net/public/video/torture1.zip

Hunde quälen http://switchboard.real.com/player/email.html?PV=6.0.12&&title=iams%5Fmed&link=rtsp%3A%2F%2Fa787.v91358.c9135.g.vr.akamaistream.net%2Fondemand%2F7%2F787%2F9135%2F0021%2Fpeta.downlo ad.akamai.com%2F9135%2Fdownloads%2Fiams%5Fmed.rm%3Fobj%3Dv0013

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schächten
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