Goldgraeber und waescher
in amerika und anderswo

USA - Vereinigte Staaten von Amerika
Am 1. Januar 1975, dem ersten Tag der Wiederzulassung des privaten Goldhandels nach 140 Jahren in den Vereinigten Staaten, herrschte an den Goldmärkten in aller Welt noch weitgehende Unsicherheit. Lange Zeit war es den Amerikanern bis dahin untersagt geblieben, das gelbe Metall zu erwerben, es als Anlageformen zu verwenden und - Geschäfte damit zu machen. Zeitungsanzeigen suggerierten vor diesem bedeutungsvollen Tag:
"Goldbesitz war in der Geschichte ein Privileg von Mogulen, Millionären und Schweizer Bankiers - aber jetzt sind Sie an der Reihe."
Hatte man an den internationalen Goldbörsen ein neues Goldfieber erwartet, so ebbte die Beüfrchtung mit einer "kalten Dusche" schon am ersten Tag der Freigabe, genauer mit dem 2. Januar 1975, erheblich ab. Der Run auf die Bankschalter blieb aus, aber dennoch begann ein neues Goldfieber...
Heute ziehen mitunter Leute aus, um beispielsweise in der einstigen Goldgräbermetropole Cripple Creek in Colorado, wo binnen kurzer Zeit 475 Gruben entstanden waren und im Laufe der Zeit 620 Tonnen Gold ausgebeutet wurden, Gold und eine "inhaltreiche Lebensaufgabe" zu finden. Um die Jahrhundertwende soll es in Cripple Creek so viel Gold gegeben haben, dass einmal ein Prospektor seinen Hut hoch warf und, wo er niederfiel, seinen Claim abgesteckte. Innerhalb weniger Wochen soll er einen Gegenwert von rund 30.000 Mark pro Monat geschärft haben.
Angefangen hatte alles im Oktober 1890, als ein Cowboy namens Womack, man nannte ihn simpel "Crazy Bob", in den Rocky Mountains Gold fand. Beinahe über Nacht wurde jener Ort zum Wallfahrtsort der Glcksritter und Trumer, die immer an dem alten Traum vom schnellen Reichtum festhielten. Um die Jahrhundertwende hatte Cripple Creek noch 50.000 Einwohner, heute ist es zu einem Nest mit einigen hundert Seelen geschrumpft. Wie an eine Verklärung denken die Einwohner an ihre große und zugleich berüchtigte Zeit zurück, als sich noch sämtliches Gesindel, Abenteurer, allerlei Menschen jeden Schlages in ihrem Städtchen auf Zeit sesshaft machten.
Man erinnert sich auch gerne an Typen wie "Old Bathles", der, wie schon der Name verrät, eine scheußliche Abneigung gegen das nasse Element hegte, oder an alle diejenigen, die mit Waschwanne, Schaufel und Kaffeekanne und einer dreckigen Fratze ankamen. Tausende versuchten ihr Glück, aber nur wenigen war es in unvorstellbar kurzer Zeit treu. Auch "Old Bathless" war einer jener Gestalten, die man infolge ihres unverkennbaren Körpergeruches sofort Meter im voraus identifizierte. Sogar sein Esel habe an ihm Anstoß genommen. Eines Tages kam er jedoch mit schwerem Gold in den Saloon und warf damit nach leichten Mädchen. Nun wusste man, wie gut er roch.
Dann wurde das wertvolle Erz immer rarer, und mit Beginn des Zweiten Weltkrieges mussten viele Gruben auf behördliche Anordnung hin schließen. Nun zeugen ausrangierte Maschinen und mächtige Abraumhalten von der goldreichen Vergangenheit. Die Geisterstädte locken die Besucher nicht mehr nur aus Gier nach dem Gold, sondern als Touristenattraktion unvergesslichen Erlebnisses.
Als riesige Museen unter freiem Himmel sind sie für jedermann zugänglich. Aber Zeit mit ihren Begleitern von Regen und Wind nagt unablässig an Dächer und Häuser. Und eines Tages werden auch sie verschwunden sein, dann nämlich, wenn nur noch die Legende von der ruhmreichen Geschichte erzählen.
Und dennoch: Geologen sind nach wie vor davon überzeugt, dass um Cripple Creek bislang nur rund 20 Prozent des Goldes geschürft wurde. Mit ein paar Dutzend Arbeitern ist hier der Betrieb von Bradley Place der weit und breit größte industrielle Arbeitgeber überhaupt. Natürlich handelt es sich um eine Goldmine. Nur wenig ber 100 Meter reicht sie in die Tiefe, und die Förderwagen werden noch per Hand auf den Schienen gezogen. Da es eine dreckige und harte Arbeit ist, nimmt jeder hin, "aber sie geht ins Blut!"
Wer nicht so viel Geld hat, um sich gleich eine Grube zu erschließen, kann wie vor einem Jahrhundert in der Sierra Nevada Kaliforniens Gold suchen. Das Gebiet ist 500 Kilometer lang und mit 80 Kilometer in der Breite. Die Flüsse und Bäche, die diesen Teil der Sierra durchziehen, führen Gold -Flitterchen und Nuggets!
In Alaska

Am 15. Juli 1897 kehrt der Dampfer Excelsior von Alaska nach San Fransisco zurück - an Bord mehrere hundert Kilo Gold. Doch noch ahnt niemand, dass die wertvolle Fracht Amerika in einen wahren Rauschzustand versetzen würde. Das ändert sich schlagartig, als die Mannschaft ihre kostbare Ladung der verblüfften Menschenmenge am Pier präsentiert. Binnen einer Woche wird die ganze amerikanische Nation mit Goldfieber infiziert. Alle reden nur noch von den sensationellen Funden am Klondike River. Zeitungsberichte heizen die hektischen Abenteurer an. Windige Händler verhökern Spezialkleidung und Goldgräberausrüstung für jeweils über 500 Dollar; das ist mehr als ein halber Jahreslohn für jeden, der in den Norden will. Hunderttausende folgen dem Ruf des Edelmetalls in die unwegsame Wildnis Kanadas. Unzählige Männer und Frauen verlassen Hals über Kopf ihre Heimat. Familien verlieren ihre Väter, Gemeinden ihre Priester und Städte ihre Bürgermeister. Von Toronto bis Tacoma geben Tausende ihren Job auf und leihen sich Geld für die beschwerliche Reise in den Norden. Sie müssen sich durch Gebirge und Wälder quälen, setzen sich der klirrenden Kälte der kanadischen Landschaft aus. Viele der Glücksritter werden ihr Ziel niemals erreichen.
Alaskas Gold
Die Goldsucher entdeckten nicht nur heiße Länder, zogen nicht nur durch glühende Hitze, durch Wüsten. Es waren bewegliche und unstete Menschen von besonders ausgeprägter, eigenwilliger Mentalität, die überall dort das blinkende Metall aufspürten, wo es sich vermuten ließ. Nichts hinderte sie daran, ihren Wunsch durch Überwindung und unermüdliche Strapazen zu erfüllen. Besessen vom Goldfieber marschierten sie mit den wenigen Habseligkeiten bis ans Ende der Welt. Jeder wurde bald von der seltsamsten Krankheit befallen, dem Goldfieber. Und in Alaska, dem hohen Norden, nannten man sie bald bezeichnenderweise "Klondicitis".
Obwohl schon sehr früh Goldfunde in Alaska gemacht wurden, brachten doch die anfänglichen Entdeckungen keinen eigentlichen "rush" hervor. 1848 entdeckte man es in den Kieselablagerungen auf der Halbinsel Kenai. Aber die Ausbeute war mager. Beträchtlichere Goldmengen gewann man in den Jahren von 1871 bis 1872 in Südostalaska. Bei Sitka wurde auch ein Stollen betrieben. Das war, nachdem Amerika 7,2 Millionen Dollar für ein scheinbar wertloses Fleckchen Erde an Russland (1867) bezahlte. Erst in den 80-er Jahren begann ein systematisches Suchen.
Plötzlich wurde im Jahre 1896 am Klondike, einem Nebenfluss des Yukon, Gold in noch größeren Mengen gefunden, als man sich das jemals erträumt hätte. Der Ruf des Goldes verlangte nach Tatendurstigen. 1898 setzte ein Strom von Goldsuchern und Abenteurer nach Alaska ein. Die Nachricht von den sagenhaften Funden im Land der Mitternachtssonne raste mit unaufhörlicher Geschwindigkeit rund um den Erdball. Alle begannen im werdenden Goldrausch zu schwelgen. Phantasievolle Erzählungen kamen in Umlauf, Zeitungen berichteten unaufhörlich. Selbst inmitten des Häusermeeres New York wollte man plötzlich auf eine Goldader gestoßen sein. Nur wenige widerstanden.
"Ich sag euch, Leute, das Gold liegt da und wartet nur, dass man es holt. Niemand kann den Gang der Dinge aufhalten. Es liegt flussaufwrts, und dort müsst ihr mich suchen, wenn ihr mich in der nächsten Zeit finden wollt... Aus der ganzen Welt werden die Leute herströmen, fünfzigtausend Mann stark. Ihr werdet denken, dass die Hölle losgelassen ist." (Jack London: "Lockruf des Goldes", 1910)
Kaum waren die Meldungen in aller Munde, schon war es mit der Ruhe am Klondike Valley geschehen. Claims wurden abgesteckt, Wlder gerodet, Hütten gezimmert, und schon glich das Tal einem wilden Ameisenhaufen. Die Enttäuschung kam hinterher. In vielen Landkarten waren falsche Wege eingezeichnet. und die Märchen, man bräuchte angeblich die Klumpen bloß vom Boden aufzuheben, nahmen mit der Erkenntnis der Schwerstarbeit ein Ende.
Tatschlich gehrte zum Job harte, unerbittliche Arbeit. Es war eine Schufterei. Die obere Schicht des Bodens musste erst einmal abgetragen werden, bevor man mit Waschwanne oder Pfanne und Sieb an die eigentliche Goldsuche denken durfte. Doch da der Boden in tieferen Regionen das ganze Jahr gefroren ist, musste er zunächst einmal aufgetaut werden.
Auf große Nuggets stieß man doch recht selten. Hatte man Glück und genügend Gold aus den Bächen gewaschen, sorgte man sich schon um den Transport. Diverse kriminelle Gestalten raubten oft den müheseligen Lohn. Auch die Natur mit ihren eisigen Winden und den riesigen Felsen brachte mancheinen noch vor Erreichen seines Zieles zur Strecke.
Schaffte man das Gold erst einmal in eine Stadt hinein, wurde es in Banken deponiert, andere packten es in Kisten oder schafften es in Decken und Koffern nach San Francisco oder sonst wohin, um von ihrer Arbeit in der Heimat ein angenehmes Leben zu führen.
Kaum ließ die Ausbeute am Klondike nach, machte man reiche Funde in Nome und an der Südküste der Halbinsel Seward. Wieder waren alle Bedingungen für ein heies Fieber gegeben, das hchste Grade annehmen sollte. Das Gold wurde am Strand in einem Streifen von etwa 40 Kilometern geschürft. Hier gab es keine Pässe wie am Klondike, die eine natürliche Auslese unter den Abenteuerern schufen. Deshalb vermochte jeder sein Glück zu versuchen.
Im Jahre 1904 setzte dann der Drang auf Lagerstätten des Tanana ein. Doch die dort neugegründete Stadt Fairbanks bewirkte nicht solche Ausmaße wie in Klondike oder bei Nome. Viele pendelten auf dem Yukon hin und her, der die natürliche Verbindung zwischen den drei Orten darstellte.
Der "rush" ist längst verebbt. Dennoch sind die Begriffe Gold und Alaske zu Synonymen geworden. Gold, das einst mit Waschwannen dem eisigen Boden abgerungen wurde, wird heute längst mit maschinellen Anlagen (Bagger) gewonnen. Eine ehemals romantische Suche nach dem großen Glück hat sich zu einem nüchternen Geschäft gewandelt. Nur noch wenige arbeiten im hohen Norden in den Bächen am Klondike auf der Suche nach Gold.
In Kalifornien
150 Jahre Goldrausch. Besucher von San Francisco können seit Sommer 1998dem Goldrausch nachlaufen. Auf einer sieben Kilometer langen Strecke durch das alte Stradtzentrum sind Bronzeplaketten in den Brgersteig eingelassen, die zu historischen Sttten von 1849 fhren, teilte das Tourismusbro San Francisco Convention and Visitors Bureau mit. Der Weg streift 20 sogenannte Goldrausch-Punkte: Das sind sechs Museeen, alte Kneipen, Straencafs und Aussichtsstellen. Interessenten können sich dabei an insgesamt 150 Plaketten orientieren, die einen traditionellen Goldwäscher zeigen. Zur Hintergrundinformation wird eine 32seitige Broschüre und ein 274-seitiges Buch im Besucherzentrum der Hallidie Plaza angeboten. San Francisco feierte das 150. Jubilum des Goldrausches.
Kalifornien
Das Goldland Kalifornien war die Heimat des gebürtigen Schweizers Johann August Sutter, der zeitweise sogar in Kandern im Markgräflerland (Deutschland, Landkreis Lörrach) lebte. Noch heute ist sein einstiges Wohnhaus erhalten. Eine Gedenktafel erinnert an den Kaiser von Kalifornien.

1834 landete Sutter als ein entronnener Flüchtling in New York. Und schon gar nicht lange darauf wurde er Kapitän und besaß bald ein großes Warenhaus. Schließlich verschlug es ihn nach Sacramento in eine Wildnis, wo beinahe ausschließlich Indianer lebten. Von der russischen Regierung erwarb er ein Fort, das früher zum Schutz der russischen Kaufleute gebaut worden war, pflanzte Obstbäume und baute Weizen an. Das brachte ihm einträgliche Ernten ein. Zehn Jahre lebte Sutter im Sacramentotal, 200 Quadratmeilen nannte er sein eigen, hinzu waren die Besitzungen Fort Ross und die Siedlung Bodega gekommen, die er von den Russen erwarb.

Was vielen ein Wunsch blieb und nur wenigen gelang, erreichte er auf eigenartige Weise. Er hatte für seine Dienste eingeborene Indianer angeworben. Sogar "Gewalt über Leben und Tod" lag in seinen Händen, denn der Gouverneur hatte ihn zum Richter ernannt. Eigentlich war Sutter mit seinem Leben ganz zufrieden, wenn nur nicht jener 8. Januar 1848 gewesen wäre. Dieser Tag wurde für Sutter das Ende seiner bis dahin unangreifbaren Machtstellung.
Mit einem
Male verlor er trotz anstrengener Bemühungen alles, was er besaß:
Besitztmer, Macht, Reichtum. Und das begann so: John Marshall,
Sutters Zimmermann, war eben mit dem Bau einer Sägemühle an
einem südlichen Nebenfluss des Sacramento beschäftigt, der
unter dem Namen "der amerikanische Gabel" bekannt
war, da hatte er einen verhängnisvollen Fund gemacht. Es war der
Winter von 1847 auf 1848, als ein angelegter Mühlgraben gefällt
werden sollte. Sehr rasch zeigte sich, dass der Kanal, durch den
das in einem Sammelteich aufgestaute Wasser eingelassen werden
sollte, zu schmal war. Um Zeit zu sparen, wurde das Mhlrad
herausgehoben und alles Wasser mit einem Male in den Mühlgraben
gelassen. Mit einem heftigen Rauschen stürmte das Wasser so mächtig
in den Mühlgraben, dass der Boden aufgerissen und mehrere große
Goldkörner sichtbar wurden.


Sofort rannte Marshall zu Sutter, um ihm von der Neuigkeit zu berichten.

Aus einem Wollappen zog Marshall umständlich glänzende Körner hervor, die sich Sutter sofort besah und seinem Zimmermann bestätigte: Gold!
Sutter wusste um die Bedrohung, die dieses Metall für ihn bedeutete, deshalb bat er seine Leute um absolute Geheimhaltung. Er ließ alle Goldkörner einsammeln und verwahrte sie sorgfältig. Angeblich konnte er aber der Schwatzhaftigkeit der Köchin keinen Einhalt gebieten. In Windeseile verbreitete sich die Nachricht vom seltsamen Fund.
Über seine Erlebnisse im "Goldland Kalifornien" berichtete der deutsche Journalist J. J. Weber bereits 1849 in der "Illustrierten Zeitung" in Leipzig. Er hatte vier Monate unter den Goldsuchern gelebt. In seinem Reisebericht schrieb er:
"An den Ufern des Sacramento, in den Betten seiner Nebenflüsse, in den Schluchten der Bergbäche und im Sande der Ebene wurde Gold im Ueberfluß und von der feinsten Art gefunden. Je höher hinauf man dem Ursprunge der Quellen kam, um so reicher wurde die Ausbeute. Bald strümte Alles aus Dörfern und Städten herbei; die Felder blieben unbestellt, die Ernten verdarben auf dem Felde, die Gerichtssäle standen leer, die Kranken wurden hilflos gelassen und die Obrigkeit verlor Macht und Gewalt gegen dieses rasende Treiben. Die Indianer, welche nicht einsahen, was eigentlich die weißen Menschen mit diesen Schätzen anfangen könnten, gaben anfänglich ihren Fund um geringen Preis weg. Ein Pfund Gold galt ihnen nicht mehr als ein Pfund geprägte Silbermünze oder eine Schnur Glasperlen. Für eine Flasche Branntwein, einen Beutel Tabak, vertauschten sie willig ihr Gold, doch sollen sie bereits anfangen, größern Werth darauf zu legen."
In seinem sehr umfassenden Bericht ber die Kalifornien Expedition schreibt Weber weiter:
"Der Gewinn war ungeheuer. Sieben Männer, welche durch seiben Wochen 50 Indianer am Federflusse beschäftigten, gewannen in dieser Zeit 275 Pfund reines Gold, das einen Werth von 88.000 Thalern hat. Zwei Andere, die zehn Tage lang mit einander arbeiteten, standen jeder für 1500 Thaler. Aus einer Felsenritze, die nicht größer als ein Waschbecken war, las Jemand in 15 Minuten 2 1/2 Pfund Gold zusammen. Aus dem Boden an den Ufern der Bche wurden Goldklumpen gegraben, die zuweilen 1, 1 1/2, selbst bis zu 5 und 6 Unzen wiegen. Das meiste Gold ist zwar in den Bergwssern oder an ihren Ufern gefunden worden, die mehrentheils aus grobem Keis mit Sand und gelblicher Erde gemischt, bestehen, doch liegt es auch allgemein im aufgeschwemmten Boden, wo es aber nicht, wie in den Flüssen, in Stcken, sondern in dünnen, flachen Blättchen vorkommt, die zuweilen den Fischschuppen gleichen. Die größeren Stücke schließen zuweilen Quarz ode Granit in sich. Der Umfang des goldreichen Gebietes lt sich bis jetzt noch gar nicht bestimmen. Von der Sutter'schen Besitzung ist man schon 30 deutsche Meilen aufwärts gedrungen und immer noch fand man Gold; am Gabel-, Feder-, Juba- und Bearflusse und den ihnen zuströmenden Bcähen und Flüssen sind die Goldsucher beschäftigt. Nicht minder arbeitet man in entgegengesetzter Richtung am Joaquim und seinen Nebenflüssen, sowie an denen, die sich von der Wasserscheide noch lohnend gewesen, und wenn es gleich zu den auergewhnlichen Fllen gehrt, da Einzelne an manchem Tage 800 bis 1000 Thaler erbeudeten, so ist bei einigem Fleie ein Gewinn von 25 bis 40 Thaler durchschnittlich doch sicher anzunehmen. Die amerikanische Gabel (= Fluß) scheint die großen Loosein dieser Loterie vertheilt zu haben. Fünf Meilen vom Hauptstrome entfernt sollen die Herren Neilly und Hawly mit 6Arbeitern in einer Woche 10 1/2 Pfund Gold, die Herren Daly und Maccoon aus dem trockenen Bettet eines Regenbaches in dieser Gegend in zwei Tagen für 17,000 Dollars, Andere aus einem solchen in drei Tagen für den Werth von 30,000 Pfd. Sterling Gold aufgelesen haben. Doch genug; diese und ähnliche übereinstimmende Zeugnisse beglaubigte Angaben beweisen sowohl den unermelichen Reichthum dieses Landes an Gold, als die weite Ausdehnung des Gebietes, in dem es aufgefunden wird, und da eine lange Zeit dazu gehren muß, diese Schätze zu erschöpfen, wenn gleich die anfngliche Ergiebigkeit sich vermindern wird."
Im Tagebuch eines anderen Pioniers heit es:
"Am 29. Mai 1848. Heute früh war es hier in Monterey sehr lebhaft. Ein Mann bringt die Nachricht, daß am Rio de los Americanos viel Gold gefunden worden sei. Die Leute schwatzen darber, namentlich die Weiber, es glaubt aber niemand so recht an die Mär. Einige alte Frauen meinen indessen, die Sache habe ihre Richtigkeit, denn neulich sei es vorgekommen, daß ein weißer Rabe mit einem Kind spielte, auch habe eine Eule die Glocke in der Kirche geläutet."
An den Ufern des Sacramento, in den Betten seiner Nebenflüsse, in den Schluchten der Bergbäche und im Sand der Ebene wurde Gold im Überfluß "und von der feinsten Art gefunden". Je näher man sich den Quellen nherte, umso reicher wurde die Ausbeute. Am 15. Juli 1948 notiert ein Zeitgenosse:
"Mit dem tollen Goldfieber ist es nicht mehr auszuhalten. Dienstboten sind kaum noch zu haben; wer hier blieb, will sich höchstens auf eine Woche verdingen. General Mason, Leutnant Lamman und ich führen einen gemeinsamen Tisch; wir haben Haus, Küche und alles nötige Gerät, aber alle Diener sind fort, selbst unser Neger, der bis gestern aushielt, hat am Ende der Verlockung nicht widerstehen kännen und sich aus dem Staube gemacht."
4. Oktober 1848:
"Wir sind in den Minen. 50 kg Mehl kosten 800 Mark, das Kilo Kaffee 42 Mark. Es ist kein anderes Fleisch zu haben, als in Streifen geschnittenes, an der Sonne gedörrtes von Bullen. Wie zäh und fade das ist! Heute wurde eine Schachtel voll Brausepulver mit 102 Mark bezahlt; für vierzig Tropfen Opium gab einer viermal so viele Mark. Ich habe für eine schon viel gebrauchte Spitzhacke 4 Mark bar gegeben; das Eisen daran mag etwa 2 kg schwer sein."
Am 8. November 1848 sind
"schon mehr als fünfzigtausend Goldgräber hier aus allen fnf Erdteilen zusammengestrmt. Einige haben Zelte, andere nicht; einige besitzen Lebensmittel, anderen fehlt jeder Bissen; sie arbeiten mit Brechstangen, Spitzhacken, Spaten, Wiegen und Pfannen, Hmmern und Drillbohrern, an allen Ecken und Enden knallt es, denn man sprengt das Gestein mit Pulver weg. So buntscheckiges Volk ist wohl nie zuvor auf einem Punkt beisammengewesen! Da, wo vor Wochen eine nun verlassene Lagerstätte war, liegen Totengebeine umher, welche von den Wölfen ausgescharrt worden sind. Der Sensemann hält reiche Ernte. Ein Goldsucher hat mir für mein Paar Pistolen ein vollgewichtiges halbes Kilo Gold gegeben."

Immer mehr Goldsüchtige folgten dem Ruf ins Sacramentotal; der Wilde Westen war zum "goldenen" Westen geworden. Hunderttausende durchwühlten die Erde. Es ist erstaunlich, denn nahezu die Hälfte der damaligen Weltgoldproduktion wurde aus dem Boden Kaliforniens geschürft. Und plötzlich sprang dieses Land an die Spitze der Goldländer berhaupt. Kein Wunder, denn Gold schien hier wirklich nur auf der Erde zu liegen. J.J. Weber schreibt in seinem 1848 erschienen Reisebericht ber "die gegenwärtige Lage des Landes und seine Zukunft":
"Seiner Reichthümer ungeachtet müssen wir die gegenwärtige Lage Kaliforniens eine wenig erfreuliche nennen. Es ist leicht zu erachten, daß, wenn die ganze Bevölkerung eines Landes plötzlich ihren gewohnten Beschäftigungen entsagt, um den Durst nach Golde zu befriedigen, sehr schnell die entsetzlichste Noth eintreten muß. Edle Metalle sind nur ein Mittel zur Erleichterung des Verkehrs. Als nächste Folge der Arbeitseinstellung auf dem Felde und in den Werkstätten trat deshalb eine unmüßige Steigerung der Preise aller Bedürfnisse, sowie der Löhne ein, die bald eine Höhe erreichte, welche den Händen der Goldgräber die gewonnenen Schätze wieder entriß, wenn sie ihren Lebensunterhalt bestreiten wollten. Ein Pfund Butter oder Schinken kostete einen Dollar, ein Faß Mehl 50, eine Flasche Branntwein 16, ein Paar Schuhe 8 bis 12 Dollars. Für einen mit 4 Ochsen bespannten Wagen bezahlte man an tglichem Miethzins 50 Dollars; ein gewhnlicher Tagelhner erhlt deren 6 bis 10; Handlungsdiener bedingen sich einen Jahrgehalt von 2000 bis 2500 Dollars. In gleichem Verhltnis wurde Alles in die Hhe getrieben. Zwar lockte diese Lage der Dinge fremde Schiffe herbei, welche Lebensmittel und Waaren zufhrten, allein sie durften es bald nicht mehr wagen, in den Hafen einzulaufen, weil die Matrosen die Schiffe verließen, um in die Berge zu eilen und an der Goldernte Theil zu nehmen, und obgleich in der letzten Zeit einem einfachen Matrosen bis 100 Dollars an monatlichem Gold bezahlt wurden, hielt es dennoch schwer, sich ihrer Treue zu versichern."

Die Kunde vom Goldreichtum lockte selbst aus Europa Einwanderer in den "goldenen Westen". Mit ihnen kam aber auch immer mehr "liederliches Gesindel", das in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten ihre Chance kommen sah. J. J. Weber: "Schon sind alle Laster im Schwunge und man fürchtet, da, wenn nicht eine starke Truppenmacht hingeschickt wird, eine völlige Unsicherheit des Lebens und Eigenthums eintritt."
Unterdessen kämpfte Sutter entmächtigt und verbissen gegen die Eindringlinge. Doch ließen sie sich nicht abweisen, verpönten den gesetzmäßigen Eigentümer des Grundes und schüttelten die Erde weiterhin durch ihre Siebe. Sutter starb als ein armer Mann, durch dessen Wirken Amerikas zu einer Wirtschaftsmacht heranwuchs, der Pionier des kalifornischen Obstbaues war. Doch Washington wollte ihn vergessen. Man wusste plötzlich nicht mehr, dass durch sein Wirken Indianer zu kolonisatorischer Mitarbeit gewonnen wurden. Als armer Mann war er nach Amerika gekommen, in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, träumte vom schnellen Reichtum, doch ebenso schnell zerplatzte der Wunsch wie eine Seifenblase im Wind.
Die Gier nach dem Gold hatte phantastische Ausmaße angenommen. Die Goldsüchtigen schreckten nicht einmal davor zurück, sich in ausweglose Wüsten wie das berüchtigte "Death Valley" zu begeben, das Tal des Todes. Mit dreiundachtzig Metern unter dem Meeresspiegel gilt es zugleich als das tiefste und heißeste Tal der Vereinigten Staaten.
Im Mai 1860 führte der Arzt Dr. French eine Gruppe Abenteurer ins Death Valley. Sie wollten einen Silberschatz bergen, von dem man mancherorts sprach, kehrten aber ausgehungert und ergebnislos zurck. Nach ihren Berichten fanden sie zwar Wasser, aber um die Wasserstellen Fuspuren und verlassene Ochsenkarren. Dr. French brach ein zweites Mal auf. Nun wollte er Indianer aufsuchen, die angeblich mit Kugeln aus purem Gold schießen sollten, was ein Beweis für die Existenz des Schatzes sein musste. Seine Hoffnungen wurden jäh zerstört, die angetroffenen Indianer benutzten seit ehedem Pfeil und Bogen.
Etliche Jahre spter wurde ein gewisser Jacob Breyfogle blutend und dem Wahnsinn nahe aufgegriffen. In seinen Taschen fanden sich Gesteinsbrocken mit einem unglaublich hohen Goldgehalt. Leider war Breyfogle nicht in der Lage, irgend welche Angaben über den Fundort zu machen, doch versetzte die Nachricht vom Gold im Death Valley unzählige Goldgräber in einen gierigen Taumel.
Erst um die Jahrhundertwende wurde dann der Traum vom Gold in diesem heißesten Tal Wirklichkeit. Man fand Gold in den Bergen! Provisorische Siedlungen schossen wie Pilze aus dem Boden. In derselben Hast und Eile verfielen sie, nämlich dann, wenn die Goldader unrentabel wurde. Zurück blieben Geisterstädte, zerfallene Buden und Baracken, Scherben zerbrochener Whiskyflaschen.
Manche jener Abenteurer, die auszogen, um in der gottverlassenen Gegend nach Gold zu schürfen, wurden im heißen Wüstensand zur Ruhe gebettet, anderen diente ihr einfaches Holzkreuz als Wegzeichen. Die Goldgräber liebten das "Death Valley" auf ihre Art, erzählten Geschichten von reichen Funden, die noch genügend Stoff für Dutzende spannender Westernfilme geben.
Kanada
Selbst das an hochwertigen Mineralien, die ber das ganze Land verstreut liegen, reiche Kanada, kann auf ein Goldfieber zurückblieben. Berühmt waren die 1896 entdeckten Seifen des Yukon, die bis hinüber nach Alaska einen richtigen "rush" verursachten. Fündig wurde man aber auch in Ontario und in Britisch-Kolumbien. Man schätzt, dass bisher nur die Oberfläche der Lagerstätten gestreift wurden.
Einst zogen die Prospektoren, wie sich die Goldsucher offiziell bezeichneten, in die Wildnis, um dort ihr Glück zu probieren. Heute trifft man in den entlegenen Gebieten noch vereinzelt auf Veteranen einer längst vergangenen Romantik. Immer häufiger sind auch junge Menschen darunter, Aussteiger einer Zivilisation, deren Lebensauf gabe sich in hektischem Alltagsstress und einer unvorstellbaren Konsumverschwendung liegt. Unter den modernen Goldsuchern sind aber auch Forscher, Geologen, die mit modernsten Geräten die unterirdischen Schätze aufspüren.
Trotz der stetig wachsenden Modernisierung finden sich noch einige Abenteurer. Im Cariboo-Gebiet um Barkersville, rund 500 Kilometer nordöstlich von Vancouver, gibt es noch die "echten" Goldschürfer. Statt Hacke und Schaufel und der schon legendär gewordenen Goldwaschpfanne bringen sie Geräte und Maschinen mit. Sie leiten Bäche um und legen Stollen an. Hier kann noch jeder sein Glück versuchen, auch Ausländer. "Sie müssen nur ein Zertifikat erwerben und ihren Claim registrieren lassen."

Ein Claim ist zwischen 250.000 und 320.000 Quadratmeter groß, rechtwinklig. Früher war das Abstecken eine meist dramatische Angelegenheit. Es war eine echte Wildwestzeit, und wenn zufällig keine Indianerüberfälle an der Tagesordnung standen, balgten die Goldgräber unter sich. Nicht selten war es ein Spiel um Leben und Tod. Mancher wurde innerhalb weniger Jahre steinreich, und doch sollten Gestalten wie Barker und Cameron in Armut sterben, die einst zu plötzlichem Reichtum gelangten. Aber ihre Namen hielten Einzug in unvergessene Geschichten. Geradezu typisch sind Goldgräber wie Russel McDougall, der einmal eine halbe Million Dollar gewann und sie ebenso schnell wieder verlor. Beinahe ohne den Anflug von Wehmut meinte er: "Aber wenn ich noch mal zwanzig wär, würde ich wieder als Goldgräber anfangen."
Obwohl der eigentliche Goldrausch in Britisch-Kolumbien kaum fünf Jahre anhielt, so machte er doch diese Provinz einigermassen erschlossen. Heute versucht man, aus den ehemaligen Goldgräbermetropolen wie Barkersville, die inzwischen zu Geisterstädten zerfielen, den noch anhaftenden Glanz mittels Renovierung von Seiten der Regierung aufzufrischen. Das Ziel: Touristenattraktion. Barkersville ist eine Stadt, die wieder aufersteht.
1868 brannten die Hütten und Buden, aus denen Barkersville bestand, bis auf den Grund nieder. Danach kamen etliche Gesellschaften, um mit Schlämmprozessen das Edelmetall zu gewinnen. Langsam entwickelte sich die Gegend zu einer grässlichen Mondlandschaft. Man schätzte, um Barkersville wurden zwischen 50 und 80 Millionen Dollar Gold gewaschen. Dann zogen sich auch die Gesellschaften zurück, und die Stadt geriet allmählich in Vergessenheit.

Inzwischen ließ die Regierung die Main Street naturgetreu nachbilden. Häuser wurden wieder aufgebaut, an denen zuvor noch der Zahn der Zeit genagt hat. Jetzt können sich Touristen bei ihren Erkundungen durch die legendäre Stätte einstiger Goldgräberromantik an Erfrischungsständen laben. Und wer länger dableiben möchte, dem stehen Hotels zur Verfügung. Durch Erweiterung der Verkehrswege gibt man sich optimistisch: Noch mehr Touristen werden kommen und weitere Zentren sollen erschlossen werden.
Neuerdings sind spektakuläre Goldfunde im Gebiet um Hemlo in der Provinz Ontario gemacht worden. Das Vorkommen wird auf 17 Millionen Feinunzen geschätzt; anfangs sprach man noch von einer Million Tonnen Erz und 130.000 Feinunzen Gold. Die aktuellen Schätzungen stammen von den drei größten Unternehmensgruppen, die an der Erschließung der Hemlo-Vorkommen beteiligt sind und gelten als "erwiesen und nachweisbar". Für Freizeit-Goldsucher ist das Gebiet allerdings tabu; die Claims sind ausnahmslos abgesteckt.

Tausende suchten in der unendlichen Weite der kanadischen Provinz ihr Glück - und fanden es nicht. Einer aber, der als armer Mann loszog und ein steinreicher Mann wurde, war der aus dem Glottertal (Schwarzwald) stammende Müllergeselle Hermann Hoch. Im Sommer 1897 hatte der 25-jhrige in der Freiburger Tagespost einen Bericht von wunderbaren Goldfunden am Klondike gelesen. Er hatte keine Ahnung, wo dieser Fluss lag und was ihn dort erwarten würde, aber er wusste nur eines: Er wollte dort sein Glück versuchen. Mit ihm hatten 100.000 Menschen aus der ganzen Welt denselben Gedanken: Reich werden! Er verließ den heimischen Gullerhof und startete zu dem Land, in dem scheinbar unbegrenzte Goldreserven lagen, wo das Gold offenbar nur vom Boden aufzuheben war. Als armer Bauer hatte er das Glottertal verlassen und als reicher Mann kam er wieder, stellte jetzt die Gronichte Romy Pabel fest.
Ausgelöst wurde das Goldfieber in der fernen kanadischen Provinz durch die Ankunft der beiden Ozeandamper Portland und Excellsior in den Pazifikhäfen Seattle und San Francisco. Die Passagiere hatten Gold im Gewicht von zusammen drei Tonnen im Gepäck. Vor ihrer Abreise zum Klondike hatten die Abenteurer, zumeist Arbeitslose, Angestelle und Handwerker, kaum mehr besessen, als sie bei sich trugen. Nichts bewegte die Welt so heftig wie die Funde am Klondike schrieb 1899 das British-Columbia-Jahrbuch. Seattle ist völlig verrückt geworden und versessen auf Gold, vermeldete der Berichterstatter des New York Herald. Sogar der Bürgermeister von Seattle, der gerade eine Tagung in San Francisco besuchte, schickte kurzerhand dem Stadtrat ein Telegramm. Der Inhalt: sein Rücktritt. Er kaufte sich ein Schiff und brach in den hohen Norden auf.
Der Glottertäler konnte sich natürlich kein eigenes Schiff leisten. Er fuhr mit einem alten Kohledampfer. Die Kojen waren erbärmlich stickige Verschläge, notierte er in sein Tagebuch. Doch als er an den Stränden von Skagway und Dyea ankam, hatte er den schwierigsten Teil seiner langen Reise erst noch vor sich. Dawson City an der Gabelung von Yukon und Klondike lag noch 800 Kilometer entfernt. Wie viele andere Abenteurer berwandt er die engen Bergpfade und Sümpfe, und kaum hatte er sein erstes Ziel, eine aus Bretterbuden zusammengezimmerte Stadt am Yukon erreicht, da kenterte das Boot. Seine gesamte Ausrüstung ging verloren. Hermann Hoch musste seinen Traum vom schnellen Reichtum erst einmal begraben und verdingte sich als Hilfsarbeiter.

Aber der Glottertäler gab nicht auf. Bereits ein Jahr später begab er sich mit seinem Freund Adolph Wittrock auf die Suche und schürfte 28.120 Unzen pures Gold. Damals waren das umgerechnet eine halbe Million Dollar. Welch unvorstellbarer Reichtum! schwärmte er in seinem Tagebuch. Er war wirklich einer von wenigen Glücklichen, denn von 100 Diggern stieß nur einer auf die Goldader in einem Land, das von den Abenteurern die schlimmsten Entbehrungen abverlangte. Viele der Goldsucher hielten die Strapazen nicht durch. Bis zu 40 Grad unter Null sank das Thermometer. Vielen der Glücklichen, die über Nacht zu Reichtum gekommen waren, schmolz das Gold dahin, entweder beim Glücksspiel, beim Alkohol oder in den Bars und mit den Tanzmädchen, die Dawson City in ein Paris des Nordens verwandelten.

Der Schwarzwälder ließ sich das hart erarbeitete Geld nicht so leicht aus der Tasche ziehen. Er ging nach New Mexico und kaufte eine Mühle. Ein letztes Mal kehrte in Glottertal zurück, um ein 19-jähriges Schwarzwaldmädel zu heiraten. Doch Knochenarbeit im hohen Norden Amerikas hatte seine Spuren hinterlassen. 40-jährig verstarb er an den Folgen einer Lungenentzündung. Das Schürfen in der eisigen Luft und die Anstrengungen des Goldgräberlebens hatten ihn ausgezehrt, berichtete Romy Pabel, die Großnichte. Jahrelang war die Journalistin gemeinsam mit ihrem Mann Hilmar, einem Fotografen, auf den Spuren ihres Großonkels unterwegs. Aus ihren Recherchen entstand schließlich ein Buch: Abenteuer Kanada - auf den Spuren der Goldgräber, das 1987 im Süddeutschen Verlag in München erschien. Schon nach wenigen Monaten war das Buch vergriffen.

Das Gold macht die Leute eben noch immer verrückt, resümierte Romy Pabel und verwies auf Tausende, die es noch immer in die kanadische Wildnis zieht. Allein aus Deutschland kamen 1995 etwa 11.000 Abenteuerlustige nach Dawson City, um die prickelnde Atmosphäre vom goldenen Reichtum zu erfahren und auch selbst ein wenig des glitzernden Metalles zu finden.